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Modellierung

Themen zum Lifecycle von Informationsmodellen


Im Prozessmanagement (Business Process Management, BPM) versteht man unter Modellierung den Entwurf, die grafische Darstellung und die Dokumentation von Geschäftsprozessen sowie der Geschäftsprozessobjekte. Es geht darum, die oft komplexen Abläufe in einem Unternehmen in eine verständliche, visuelle Form zu bringen.

Warum moduliert man Prozesse? (Die Ziele)

Die Prozessmodellierung bildet das Fundament für das gesamte BPM. Sie dient im Wesentlichen drei Hauptzwecken:

  • Transparenz & Verständnis: Komplexe Abläufe werden für alle Beteiligten (Mitarbeiter, Management, IT) sichtbar und nachvollziehbar gemacht. "Wer macht was, wann und womit?" wird eindeutig beantwortet.
  • Standardisierung & Qualität: Durch ein klares Modell wissen alle Abteilungen, wie ein Prozess standardmäßig ablaufen soll und welche Objekte beteiligt sind. Das reduziert Fehler und sichert die Service- oder Produktqualität.
  • Optimierung (Continuous Improvement): Erst wenn der Ist-Zustand visuell vorliegt, lassen sich Medienbrüche, Engpässe (Bottlenecks), Redundanzen oder Automatisierungspotenziale erkennen, um einen effizienteren Soll-Zustand zu designen.

Die verschiedenen Perspektiven der Modellierung

Ein gutes Prozessmodell bildet nicht nur eine Sequenz von Aufgaben ab, sondern verknüpft verschiedene Dimensionen eines Unternehmens:

  • Die funktionale Sicht (Was?): Welche Aktivitäten und Aufgaben müssen ausgeführt werden?
  • Die organisationale Sicht (Wer?): Welche Rollen, Abteilungen oder Systeme (z. B. eine spezifische IT-Komponente) sind für die Ausführung verantwortlich? (Häufig dargestellt über eine RACI-Matrix oder Swimlanes im Diagramm).
  • Die Daten- und Objektsicht (Womit?): Welche Informationen, Dokumente oder Datenstrukturen (z. B. ein Service Steckbrief oder ein Ticket-Status) werden als Input benötigt oder als Output erzeugt?
  • Die Steuerungssicht (Wann und wie?): Unter welchen Bedingungen (Gateways/Verzweigungen) teilt sich ein Prozess auf, und welche Ereignisse (Events) stoßen ihn an oder beenden ihn?

Gängige Standards und Notationen

Um sicherzustellen, dass die Modelle von allen Beteiligten – von der Fachabteilung bis zur IT-Entwicklung – gleich interpretiert werden, nutzt man standardisierte Notationssprachen. Die wichtigsten sind:

  • BPMN 2.0 (Business Process Model and Notation): Der weltweite De-facto-Standard. Er ist besonders mächtig, da er durch seine präzise Semantik die Brücke zwischen fachlichem Entwurf und technischer Implementierung (z. B. Workflow-Automatisierung) schlägt.
  • Wertstromanalyse (Value Stream Mapping): Ein Lean-Management-Werkzeug, das den Fokus extrem auf die Wertschöpfung und die Eliminierung von Verschwendung legt.
  • EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette): Ein vor allem im deutschsprachigen Raum (oft im SAP-Umfeld) verbreiteter Standard, der stark auf dem logischen Wechselspiel von Ereignissen und Funktionen aufbaut.
  • UML (Unified Modeling Language): Wird primär in der Softwareentwicklung genutzt (z. B. Aktivitätsdiagramme), um Prozesse aus IT-Sicht zu strukturieren.

Der Platz der Modellierung im BPM-Lebenszyklus

Die Modellierung ist keine einmalige Aktion, sondern ein wiederkehrender Schritt im klassischen BPM-Lifecycle:

  1. Prozessidentifikation: Festlegen, welche Prozesse und welche Objekte überhaupt relevant sind (Prozesslandkarte).
  2. Prozessüberprüfung / Erhebung: Den Ist-Zustand erfragen und verstehen.
  3. Prozessmodellierung: Dokumentation des Ist-Zustands und Entwurf des optimierten Soll-Zustands.
  4. Prozessimplementierung: Einführung des neuen Prozesses im Unternehmen (organisatorisch oder technisch via Workflow-Engine).
  5. Prozesscontrolling / Monitoring: Überwachung der Performance anhand von Kennzahlen (KPIs), um die Basis für die nächste Optimierungsrunde zu schaffen.