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Zweck von Informationsmodelle

Informationsmodelle das Fundament moderner Unternehmen


“Ein Unternehmen ohne Informationsmodell ist wie ein Gebäude ohne Fundament: Es sieht von außen groß aus, bricht aber bei der ersten Belastungsprobe in sich zusammen.”

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Die verschiedenen Zielgruppen und Einsatzzwecke stellen offensichtlich unterschiedliche inhaltliche und methodische Anforderungen an die Prozessdokumentation.

Im Kern übersetzen Informationsmodelle die reale Welt in eine klare, gemeinsame Sprache für Business und IT. Dabei ist kein Modell wie das andere: Inhaltlich bestimmen die relevanten Objekte den Fokus, während methodisch der Werkzeugkasten aus Diagrammen und Dokumentationstiefe angepasst wird. Entscheidend ist der Grundsatz ‚Fitness for Use‘: Nur wer Zielgruppen und konkrete Bedarfe vorab präzise definiert, schafft Modelle, die in der Praxis echten Mehrwert bieten.

Ganz nach dem Motto: "Fitness for Purpose" und "Fitness for Use" ist es ratsam zuerst die Zielgruppe von Informationsmodellen, deren Nutzen und Anwendungsfälle für diese Zielgruppe zu verstehen und zu klären sowie die spezifischen Anforderungen zu erfassen, zu dokumentieren und zu berücksichtigen.

Mit System zum Informationsmodellzwecken

Im Folgenden wird der Zweck der Informationsmodelle systematisch und schrittweise hergeleitet. Durch die Identifikation der spezifischen Zielgruppenbedürfnisse lässt sich die Modellierung präzise steuern – so stellen wir sicher, dass die Modelle nicht nur theoretisch korrekt sind, sondern einen messbaren operativen Mehrwert schaffen.

Step1: Zielgruppen und Modellnutzer identifizieren

Wer sind die Modellnutzer?


Da das Prozessmanagement vielfältige Stakeholder bedient, müssen diese systematisch identifiziert und deren Anforderungen dokumentiert sowie abgestimmt werden. Das Kundenportfolio bündelt dabei alle durch das Prozessmanagement unterstützten Zielgruppen. Mittels einer gezielten Kundensegmentierung nach definierten Kriterien wird sichergestellt, dass die Modellierung exakt auf die spezifischen Bedarfe der jeweiligen Empfänger zugeschnitten ist.

Die nachfolgende Gruppierung orientiert sich an den Stakeholder-Gruppen des BPM CBOK (Business Process Management Common Body of Knowledge) von ABPMP - Association of Business Process Management Professionals.

BPM_kundenportfolio

Abbildung: BPM_kundenportfolio (Quelle = platinus)

Prozesskunden

Diese Zielgruppe des Prozessmanagements umfasst die (externen oder internen) Empfänger der Prozessleistung.

  • Erwartungshaltung: Einhaltung allgemeiner Anforderungen an Managementsysteme (z. B. ISO 9001, 14001, …). Gefordert werden oft Nachweise in Form von Verfahrens- und Arbeitsanweisungen.
  • Liefergegenstand: Zertifikate oder Managementsystem-Handbücher (QM-HB, PM-HB, IMS), die die systematische Auseinandersetzung mit Normanforderungen belegen.

Prozessteam

Hierzu zählen alle Mitarbeiter, die direkt im Prozess tätig sind.

  • Erwartungshaltung: Praxisnahe Unterweisungsunterlagen (SOP - Verfahrensanweisungen) und leicht zugängliche Informationsressourcen. Fokus auf:
    • Ablauf: Wer macht wann was und wie?
    • Struktur: Rollenbeschreibungen und Tool-Anleitungen.
    • Vorgaben: Regelungen zur Aufgabenausführung und Qualitätsstandards.
  • Liefergegenstand: Ein (Online-)Organisationshandbuch oder ein Wiki als zentrales Nachschlagewerk.

Prozesspartner

Diese Zielgruppe umfasst die Lieferanten und externen Dienstleister des Prozesses.

  • Erwartungshaltung: Fokus auf die „Touchpoints“ (Schnittstellen). Klarheit über Übergabepunkte, Verantwortlichkeiten und die Gestaltung der partnerschaftlichen Beziehung.
  • Liefergegenstand: Schnittstellenvereinbarungen oder Interaktionsdiagramme.

Manager - Führungskräfte

Diese Gruppe trägt die strategische Verantwortung für die Organisation.

  • Erwartungshaltung: Fokus auf das effektive und effiziente Zusammenspiel aller Prozesse. Gefordert wird Transparenz über die Leistungsfähigkeit der Organisation.
  • Liefergegenstand: Prozesslandkarten, Kennzahlensysteme (KPI-Dashboards) und strukturierte Prozessberichte.

BPM-Office Mitarbeiter

Dies sind die methodischen und technischen Fachexperten, die das Prozessmanagement-System gestalten.

  • Erwartungshaltung: Konsistente Modellierungsrichtlinien, methodische Integrität und die technologische Lauffähigkeit der Prozessmodelle.
  • Liefergegenstand: Konventionshandbücher, Metamodelle und Administrations-Tools.

Alle Mitarbeiter

Diese übergreifende Gruppe umfasst die gesamte Belegschaft sowie Kontrollgremien.

  • Erwartungshaltung: Ein allgemeiner Überblick über Verantwortlichkeiten („Wer ist wofür zuständig?“). Zudem stehen der organisationsweite Wissenstransfer und die Nutzung von Prozesswissen im Vordergrund.
  • Liefergegenstand: Eine intuitive Prozesslandkarte oder ein Portal zur Förderung der Transparenz und Wissenskultur.

Step2: Einsatzzwecke der Modellnutzer identifizieren

Was sind die Anforderungen den die Informationsmodelle - wozu dienen diese?


Informationsmodelle können aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Diese Sichten müssen frühzeitig identifiziert und bewusst ausgewählt werden. Theoretisch könnten für jede Perspektive separate Modelle erstellt werden; dies führt jedoch zu Redundanzen, erhöhtem Pflegeaufwand und Inkonsistenzen.

Angestrebt wird daher eine redundanzfreie, integrierte Modellierung. Um dies effizient umzusetzen, ist der Einsatz objektorientierter Prozessmanagement-Tools ratsam. Im Rahmen des Process Enablement werden die benötigten Modelltypen und Perspektiven anhand von Dimensionen wie dem Anwendungszweck, der Nutzerrolle und individuellen Präferenzen definiert.

Im Folgenden werden mögliche Einsatzzwecke aufgelistet und kurz skizziert.

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Abbildung iBPM-User Cases - Auszug (Bildquelle = platinus)

1. Organisationsdokumentation

Während Organigramme meist vorhanden sind, fehlt oft eine aktuelle, abgestimmte Beschreibung der Geschäftsprozesse.

  • Zweck: Schaffung von Transparenz und einem einheitlichen Prozessverständnis. Dies steigert die Effizienz in der Kommunikation und unterstützt die Einarbeitung neuer Mitarbeiter (Stellenbeschreibungen).
  • Methodik: Funktionen und Verantwortlichkeiten werden auf abgestimmten Abstraktionsebenen definiert.
  • Nutzer: Prozessmitglieder, Projektteams.
  • Anforderungen:
    • Zugänglichkeit: Bereitstellung via Prozess-Portal/Intranet (Read-only).
    • Verständlichkeit: Intuitive, eindeutige Darstellung für alle Organisationsmitglieder.
    • Qualität: Aktuelle, fehlerfreie Steckbriefe der wichtigsten Objekte.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Der Einsatzzweck Organisationsdokumentation verfolgt die Zielsetzung, die Transparenz und damit Verständnis über die Prozesse zu erhöhen, um dadurch die Kommunikation über diese Prozesse (z. B. für die Zwecke der Mitarbeiterschulung) in ihrer Effizienz zu erhöhen. Weiterhin soll hierdurch allgemein die Verfügbarkeit und der Umfang der Dokumentation der aktuellen Organisation erhöht werden, welche beispielsweise in Stellenbeschreibungen Eingang finden kann.

Dieser Einsatzzweck bedingt, dass die Abfolge der zu durchlaufenden Funktionen sowie die jeweils verantwortlichen Organi- sationseinheiten auf unterschiedlichen, miteinander abgestimmten Abstraktionsebenen benannt werden.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer der Organisationsdokumentation sind

  • die Prozessmitglieder
  • auch für Projektmitglieder

stellt die Organisationsdokumentation eine wertvolle Ressource für die Gestaltung von Änderungen dar.

Anforderungen

  • Einfacher Zugang zu Informationsmodellen: Die Modelle werden den Mitarbeitern im Intranet über ein Prozess-Portal und/oder über Organisationshandbücher zur Verfügung gestellt. Rückmeldungen können über mehrer Kanäl erfasst und übermittelt werden. Eine direkte Bearbeitbarkeit wird nicht gefordert.
  • Verständlichkeit, Übersichtlichkeit, einheitliche Darstellung, eindeutige Auslegbarkeit: Die Modelle müssen intuitiv nachvollziehbar sein, da prinzipiell jedes Organisationsmitglied die Modelle verstehen sollte.
  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen als Nachschlagewerk einen angemessener Umfang (=Steckbriefe) aufweisen und die relevanten und bedeutenden Objektausprägungen vollständig, aktuell und fehlerfrei abbilden.

2. Zertifizierungen und Erfüllung von Compliance-Anforderungen unterstützen

Die erfolgreiche Zertifizierung eines Unternehmens insbesondere nach der ISO 9000, aber auch nach ISO14000, ISO21000, ISO27000, NIS2-RL, ... ist auf eine qualitativ hochwertige Dokumentation zurückgeführt.

Hochwertige Dokumentation ist das Rückgrat für Zertifizierungen (ISO 9001, 27001 etc.) und regulatorische Anforderungen.

  • Zweck: Erfüllung von Normen und Nachweis der Revisionssicherheit. Arbeitsanweisungen für QM-Handbücher werden direkt aus dem zentralen Process Repository generiert.
  • Nutzer: Auditoren, Management, Risikomanager, Zertifizierungsstellen.
  • Anforderungen:
    • Dokumentenlenkung: Lückenlose Historisierung jeder Modelländerung.
    • Durchgängigkeit: Einfache Überführung der Modelle in Verfahrensanweisungen.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Der Einsatzzweck der Prozessdokumentation für Zertifizierungen verfolgt das Ziel, die Norm-Anforderungen zu erfüllen. Durch die Verwaltung der Modelle in einem zentralen Process-Repository sind Änderungen bei bei den Objekten einfacher durchführbar. Arbeitsanweisungen, die für das QM-Handbuchs erforderlich sind, könne aus dem Process-Repository generiert werden. Häufig sind Nachweise zu erbringen, dass die Prozesse auch in der dokumentierten Form vollzogen werden (z. B. in Form von Prozessaudits). Dies belegt ähnlich wie für das kontinuierliche Prozessmanagement die hohe Bedeutung eines Prozesscontrollings. Eine Grundvoraussetzung ist erneut, dass die Modelle ohne besondere Methodenkenntnisse intuitiv verstanden werden können.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer der Prozessdokumentation für Zertifizierungen sind.

  • Auditoren
  • Manager
  • Risikomanager
  • externe Zertifizierungsstellen.

Anwendungsfall - Anforderungen

  • Berücksichtigung und Erfüllung der jeweiligen Norm-Anforderungen, insbesondere der Dokumentenlenkung. Jede Modelländerung ist eindeutig zu dokumentieren. Die erstellten Modelle müssen einfach in generierte Arbeits- und Verfahrensanweisungen Eingang finden können.
  • Verständlichkeit, Übersichtlichkeit: Eine Grundvoraussetzung ist erneut, dass die Modelle ohne besondere Methodenkenntnisse intuitiv verstanden werden können.
  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen als Nachweise die relevanten Informationen abbilden.

3. Prozessbetrieb laufend verbessern - Kontinuierliche Prozessverbesserung

In der Fortsetzung der prozessorientierten Reorganisation wird unter kontinuierlichem Prozessmanagement (Process Change Management) eine auf Dauerhaftigkeit ausgerichtete Planung, Durchführung und Kontrolle der Prozesse verstanden.

Hier steht die dauerhafte Planung, Messung und Steuerung im Vordergrund (Process Change Management).

  • Zweck: Vergleich von Soll-Vorgaben (Plandaten) mit der tatsächlichen Ausführung (Istdaten/KPIs), um Ineffizienzen zu identifizieren.
  • Nutzer: Prozessverantwortliche (Process Owner), Prozessmanager, Controller.
  • Anforderungen:
    • Pentagon-Attribute: Hinterlegung von Mengen-, Zeit-, Kosten- und Qualitätsvorgaben sowie Kundenzufriedenheit.
    • Automatisierung: Systemgestütztes Reporting und Frühwarnmechanismen.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Der Einsatzzweck der Prozessdokumentation für den operativen Prozessbetrieb (process refinement) verfolgt das Ziel,

  • operative Plandaten im Prozessmodelle als Vorgabe, Solldaten mit den KPIs zu hinterlegen.
  • operative Istdaten im Zuge der Prozessausführung zu messen und zu speichern sowie
  • eine Plan-Ist-Vergleich und ein Reporting zu ermöglichen

Unter der Leitung des Prozessverantwortlichen sind hierzu die Prozessmodelle (als Vorgabe, Solldaten) mit der tatsächlichen Form der Prozessrealisierung (Istdaten) zu vergleichen. Etwaige Abweichungen sind dahingehend zu interpretieren, ob sie auf ein inadäquates Prozessmodell oder auf eine bezüglich Effektivität bzw. Effizienz unzureichende Prozessausführung zurückzuführen sind.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer sind:

  • Prozessverantwortliche,
  • Prozessmanger und
  • Prozesscontroller.

Damit bedingt das kontinuierliche Prozessmanagement ein Prozesscontrolling.

Anforderungen

Attribute des Prozessmodells bauen auf das Prozesspentagon:

  1. Mengenvorgaben spezifizieren dabei die geplanten und tatsächlichen Kapazitäten und Ressourcen.
  2. Zeitvorgaben je Funktion spezifizieren in Detail die zeitlichen Anforderungen an den Prozessablauf.
  3. Aufwands-/Kostenvorgaben sind für ein wirtschaftliches Prozesscontrolling
  4. Qualitätsvorhaben spezifizieren die Erwartungen an die Ablaufqualität.
  5. Kundenzufriedenheit sammelt Rückmeldungen zum Prozessablauf.

Das Reporting mit der Abbildung der Plandaten inkl. Grenzwerte und die Speicehrung der tatsächlichen Istdaten sind möglichst automatisiert - also systemunterstützt - bereitszustellen. Kostenrechnerische Ansätze, wie die Prozesskosten- und -leistungsrechnung, können hier zur Verwendung kommen. Entsprechende Werkzeuge müssen darüber hinaus gängige Controllingfunktionen, wie Frühwarnmechanismen oder Datenaggregation, unterstützen. Die Modelle sollten sich durch eine hohe Anschaulichkeit, leichte Anpassbarkeit sowie gepflegte Controlling-relevante Attribute auszeichnen.

4. Prozessorientierte Reorganisation unterstützen

Ein wesentliche Grund für das hohe Interesse an Prozessmodellen ist im Verwendungszwecks der prozessorientierten Reorganisation (revolutionären = Business Process Reengineering oder kontinuierlichen (evolutionären) in Form der Prozessverbesserung) zu sehen.

Unterstützung von tiefgreifenden (Reengineering) oder schrittweisen Optimierungen.

  • Zweck: Identifikation von Schwachstellen (Pain Points). Prozessmodelle und Schwachstellenlisten müssen konsistent referenziert sein, um Variantenvergleiche (Ist vs. Soll) zu ermöglichen.
  • Nutzer: Strategisches Management, Prozessarchitekten.
  • Anforderungen:
    • Strategie-Alignment: Verknüpfung der Modelle mit Unternehmenszielen.
    • Formalismus: Ausreichende methodische Strenge für objektive Vergleiche.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Der Fokus liegt auf der Identifikation und Behebung von bestehende Schwachstellen. Diese Schwachstellen oder Optimierungspotentiale müssen einfach und strukturiert dokumentiert werden können. Die Prozessmodelle und die Schwachstellenliste (Pain Points) sollten konsistent sein und sich wechselseitig referenzieren. Zugleich müssen die Modelle aber auch formal sein, um den Vergleich von Ist-, Soll- und Referenzmodellen, bzw. von alternativen Sollmodellen zu erlauben.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer sind:

  • die Mitglieder des strategischen Geschäftsprozessmanagements,
  • Prozessverantwortliche,
  • Prozessarchitekten.

Anforderungen

  • Alignment mit den Organisationszielen. Eine Bezug mit der Unternehmenstrategie ist anzustreben.
  • Verständlichkeit, Übersichtlichkeit, einheitliche Darstellung, eindeutige Auslegbarkeit: Die Modelle müssen nach dem Ebenenmodell intuitiv nachvollziehbar sein, da prinzipiell jeder Prozessverantwortlicher die Modelle verstehen muss.
  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen als Führungsinstrument einen angemessener Umfang (=Steckbriefe) aufweisen und die relevanten und bedeutendende Objektausprägungen vollständig, aktuell und fehlerfrei abbilden.

5. Prozessorientiertes Wissensmanagement unterstützen

Knowledge Management verfolgt das Ziel, die Transparenz über die Unternehmensressource Wissen zu erhöhen. Das Wissen "Über Prozesse" und deren Objekte ist dabei entscheidend.

Sicherung der Ressource „Wissen“ im Kontext der Arbeitsabläufe.

  • Zweck: Transparenz über benötigtes Wissen (In-/Output) schaffen. Unterscheidung zwischen explizitem (dokumentiertem) und implizitem Wissen. Nutzung einheitlicher Glossare.
  • Nutzer: Fachmitarbeiter (SMEs), Personal- und Wissensmanager.
  • Anforderungen:
    • Interaktion: Möglichkeit zur Analyse und aktiven Weiterentwicklung des Wissens (z. B. via Wiki).
    • Struktur: Anreicherung der Funktionen um spezifische Wissensressourcen.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Der Einsatzzweck der Prozessdokumentation für das Wissensmanagement verfolgt das Ziel, die Transparenz über die Unternehmensressource Wissen in Bezug auf Prozess zu erhöhen, um auf dieser Basis den Prozess des Identifizierens, Akquirierens, Nutzens, Weiterentwickelns und Verteilens von Wissen zu verbessern. Anschauliche und vielfach anreicherbare Prozessmodelle eignen sich für die Einarbeitung in betriebliche Sachverhalte und für Schulungszwecke (Wissensakquise und -transport). Prozessmodelle sind in diesem Fall um „Wissen“ als In- und Output für auszuführende Funktionen anzureichern.

Dies verdeutlicht welche Art von Wissen wo benötigt wird. Dabei kann auch zwischen dokumentiertem (expliziten) und nicht-dokumentiertem Wissen (impliziten) unterschieden werden. Darüber hinaus tragen präzise definierte, abgestimmte Begrifflichkeiten / Glossare / Fachbegriffsmodellen zur Dokumentation und Weitergabe von Wissen bei.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer der prozessorientierten Wissensbasen sind:

  • die Prozessmitglieder,
  • Personalmanager
  • Wissensmanager - Subject Matter Experts
  • Manager.

Anforderungen

  • Einfacher Zugang zu Informationsmodellen: Die Modelle werden den Mitarbeitern im Intranet über ein Prozess-Portal, Process-Workspaces und/oder Wikis zur Verfügung gestellt. Rückmeldungen können über mehrer Kanäl erfasst und übermittelt werden. Eine direkte Analyse, Bearbeitbarkeit und Weiterentwicklung des Wissens ist gefordert.
  • Verständlichkeit, Übersichtlichkeit, einheitliche Darstellung, eindeutige Auslegbarkeit: Die Modelle müssen intuitiv nachvollziehbar sein, da prinzipiell jedes Organisationsmitglied die Modelle verstehen sollte.
  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen als Nachschlagewerk einen angemessener Umfang (=Steckbriefe) aufweisen und die relevanten und bedeutendende Objektausprägungen vollständig, aktuell und fehlerfrei abbilden.

6. Auswahl, Bau, Konfiguration von Informations- und Workflowsystemen ermöglichen

Prozessdokumentationen unterstützen die Auswahl und Konfiguration von Informationssystemen. Diese werden zur Prozessautomatisierung verwendet.

Brücke zwischen fachlichem Bedarf und technischer Umsetzung (Requirements Engineering).

  • Zweck: Beschreibung funktionaler Anforderungen für die Softwareentwicklung. Übergang von groben Geschäftsprozessen zu feingranularen, instanziierbaren Workflows.
  • Nutzer: IT-Architekten, Anforderungsmanager, Softwareentwickler.
  • Anforderungen:
    • Präzision: Hoher Detaillierungsgrad (Parameter, Datenmodelle, Berechtigungen).
    • Technik-Bezug: Anwendung systemspezifischer Modellierungstechniken.

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Ein Einsatzgebiet von Informationsmodellen ist auf der konzeptueller Ebene im Rahmen des sog. Requirements Engineerings die Beschreibung von (funktionalen und nichtfunktionalen) Anforderungen an die zu entwickelnde Software. Prozessmodelle für das Requirement Engineerings müssen formal wohldefinierte Beziehungen zu anderen, relevanten Informationsmollen wie etwa Datenmodellen und Berechtigungsmodellen aufweisen. Es sind detaillierte Attribute (z. B. Parameter) zu pflegen, die für die Softwareentwicklung von Bedeutung sind.

Als Workflow wird ein Prozess bezeichnet, dessen Funktionsübergänge in der Kontrollsphäre eines Anwendungssystems, des Workflowmanagementsystems, liegen. Im Vergleich zu Geschäftsprozessmodellen weisen Workflowmodelle im All- gemeinen eine feinere Granularität und – bedingt durch die Forderung nach Instanziierbarkeit – eine größere Anzahl an Mo- dellattributen auf.

Für Prozess-Workflows sind Modellierungstechnik der jeweiligen Workflowssysteme / Enterprise Bus Systeme anzuwenden.

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer der Prozessdokumentation für die Enterprise Architecture sind:

  • Anforderungsmanager,
  • Prozessanalysten,
  • Enterprise Architecten,
  • Projektmitarbeiter und
  • IT-Mitarbeiter.

Anforderungen

  • Einfacher Zugang zu Informationsmodellen: Die Modelle werden den Projekt- und IT-Mitarbeitern im Intranet über ein Prozess-Portal, Process-Workspaces und/oder Wikis zur Verfügung gestellt. Rückmeldungen können über mehrer Kanäl erfasst und übermittelt werden. Eine direkte Analyse, Bearbeitbarkeit und Weiterentwicklung des Wissens ist gefordert.
  • Verständlichkeit, Übersichtlichkeit, einheitliche Darstellung, eindeutige Auslegbarkeit: Die Modelle müssen intuitiv nachvollziehbar sein, da prinzipiell jedes Organisationsmitglied die Modelle verstehen sollte.
  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen einen hohen Detaillierungsgrad aufweisen und die relevanten und bedeutenden Objektausprägungen vollständig, aktuell und fehlerfrei abbilden.

7. Dynamische Ablauf-Simulation für Flussoptimierungen ausführen

Anwendungsfall - Einsatzzweck

Simulation dient der Untersuchung des dynamischen Systemverhaltens im Zeitablauf. Sie unterstützt vorrangig die Identifikation von Schwachstellen, die sich bei einer reinen Modellbetrachtung nicht offenbaren würden (z. B. unzureichende Kapazitätsauslastung, Durchlaufzeitensteuerung, hohe Liegezeiten). Auf der Basis dieser zusätzlichen Informationen kann beispielsweise aus einer gegebenen Menge von Handlungsalternativen die attraktivste ausgewählt werden. Ein weiteres wesentliches Anwendungsgebiet der Simulation von Prozessmodellen ist die Ermittlung des Personalbedarfs in Abhängigkeit von verschiedenen Szenarien. Damit die Simulation durchgeführt werden kann sind Zeit-, Mengen- und Kostendaten und die Ressourcenverfügbarkeit im Simulationsmodell zu spezifizieren.

Für die Prozesssimulation ist die Modellierungstechnik der Petri-Netze gut geeignet.

Untersuchung des Systemverhaltens im Zeitverlauf zur Flussoptimierung.

  • Zweck: Aufdecken von Engpässen, Liegezeiten und Kapazitätslücken, die in statischen Modellen unsichtbar bleiben. Unterstützung der Personalbedarfsplanung.
  • Nutzer: Prozessanalysten, Prozess- und Enterprise-Architekten.
  • Anforderungen:
    • Datenbasis: Zwingende Hinterlegung von Zeit-, Mengen- und Kostenparametern sowie Wahrscheinlichkeiten.
    • Logik: Verwendung simulationsfähiger Notationen (z. B. Petri-Netze oder spezialisierte BPMN-Erweiterungen).

Modellnutzer

Die primär Modellnutzer der Prozessdokumentation für Simulationen sind:

  • Process Architect,
  • Prozessanalysten und
  • Enterprise Architects.

Anforderungen

  • Nutzung: Die Informationsmodelle müssen einen hohen Detaillierungsgrad aufweisen und die relevanten und bedeutende Objektausprägungen vollständig, aktuell und fehlerfrei abbilden. Insbesondere Daten für die Simulation müssen vorliegen.