Kennzahlen nach Leistungsdimensionen
Prozesspentagon - die inhaltliche Struktur: Dimension der Leistung

„Ein Prozess hat fünf Saiten. Wer nur auf der Kosten-Saite spielt, erzeugt keinen Erfolg, sondern nur Lärm.“
Der Nutzen einer inhaltlichen Strukturierung nach den Dimensionen der Leistung liegt primär in der Vermeidung von gefährlicher Einseitigkeit. In der Prozesssteuerung neigt man oft dazu, sich auf das zu stürzen, was am einfachsten zu messen ist (meist Kosten oder Zeit). Das Prozesspentagon zwingt dich jedoch zu einem 360-Grad-Blick.
Inhaltliche Struktur: Dimension der Leistung
Wenn wir Kennzahlen nach ihren Inhalten und Eigenschaften strukturieren, schauen wir nicht auf die Hierarchie (wer sie sieht), sondern auf die Dimension der Leistung, die sie beschreibt. Das hilft dir extrem dabei, ein ausgewogenes Bild zu erhalten und nicht nur einseitig (z. B. nur auf die Kosten oder auf die Durchlaufzeit) zu optimieren. Hier ist die bewährte Strukturierung nach inhaltlichen Kategorien, auch Prozesspentagon genannt:

Abbildung Kennzahlensysteme-Inhalte-Pentagon (Bildquelle = platinus)
| Kategorie | Fokus-Frage | Beispiel-Eigenschaft |
|---|---|---|
| Zeit | "Wann sind wir fertig?" | Schnelligkeit, Termintreue |
| Qualität | "Stimmt das Ergebnis?" | Präzision, Fehlerfreiheit |
| Kosten | "Was geben wir aus?" | Effizienz, Sparsamkeit |
| Menge | "Schaffen wir genug?" | Volumen, Produktivität |
| Flexibilität | "Können wir auch anders?" | Wandlungsfähigkeit |
Absolute Kennzahlen
Absolut Kennzahlen liefern das Fundament (die nackten Fakten). Absolute Kennzahlen sind Einzelwerte, die direkt gemessen oder gezählt werden. Sie stehen für sich allein und haben keine Bezugsgröße. Die Gliederungszahlen bringen die notwendige Struktur und Analyse-Tiefe hinein. Gliederungskennzahlen (Strukturkennzahlen) zerlegen eine absolute Prozess-Größe in ihre Bestandteile. Sie setzen einen Teilwert ins Verhältnis zum Gesamtwert. Im BPM sind sie das wichtigste Werkzeug für die Schwachstellenanalyse, da sie zeigen, wo im Prozess die Schwerpunkte oder Probleme liegen.

Abbildung Kennzahlensysteme-Inhalte-Pentagon-absolut (Bildquelle = platinus)
Im BPM nutzt man Gliederungszahlen vor allem, um den Fokus der Prozessoptimierung festzulegen. Man schaut sich das "größte Stück" der Gliederung an, da dort der Hebel für Verbesserungen am größten ist.
Relative Kennzahlen
Während absolute Kennzahlen (z. B. "100 Stunden Arbeit") nur eine Menge beschreiben, setzen relative Kennzahlen zwei verschiedene Werte in ein Verhältnis. Sie machen Prozesse vergleichbar, bewertbar und zeigen die Effizienz auf.
Man unterteilt sie im BPM meist in Gliederungszahlen und die noch wichtigeren Beziehungszahlen. Im Gegensatz zu Gliederungszahlen setzen Beziehungszahlen zwei verschiedene Größen ins Verhältnis (z. B. Output zu Input). Im BPM beantworten sie die Frage: "Wie effizient ist der Prozess wirklich?"

Abbildung Kennzahlensysteme-Inhalte-Pentagon-relativ (Bildquelle = platinus)
Vorteile dieser Struktur
1. Sichtbarmachen von Zielkonflikten (Das "Magische Vieleck")
Jede Optimierung in einer Dimension hat Auswirkungen auf die anderen. Das ist der wichtigste Nutzeffekt:
- Das Dilemma: Wenn du die Zeit (Durchlaufzeit) radikal senkst, riskierst du eine höhere Fehlerquote (Qualität) oder steigende Kosten (durch Überstunden/Eilzuschläge).
- Der Nutzen: Das Prozesspentagon zeigt diese Wechselwirkungen sofort auf. Du steuerst den Prozess nicht mehr "blind", sondern triffst bewusste Entscheidungen über Kompromisse.
2. Ganzheitliche Prozess-Gesundheit
Anstatt nur ein "Thermometer" (z. B. Kosten) zu haben, hast du ein komplettes "Blutbild" des Prozesses:
- Zeit: Misst die Marktfähigkeit (Schnelligkeit).
- Qualität: Misst die Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit.
- Kosten: Misst die Wirtschaftlichkeit.
- Menge/Kapazität: Misst die Skalierbarkeit und Auslastung.
- Flexibilität: Misst die Zukunftsfähigkeit (Anpassung an Änderungen).
Kennzahlen-Zwiebel
Das Konzept der Kennzahlen-Zwiebel ist ein anschauliches Modell aus dem Controlling, um die hierarchische Beziehung und Verdichtung von Daten zu erklären. Die Metapher der Zwiebel hilft dabei, zu verstehen, wie man von einer riesigen Menge an Rohdaten (innen) zu den wirklich entscheidenden Steuerungsgrößen (außen) gelangt.

Abbildung platinus_KennzahlenZwiebel (Bildquelle = platinus)
Ursachenanalyse / Drill-down (von innen nach außen): Wenn der Kern schlechte Daten liefert ist, kann die Zwiebel aussen nicht das Liefern, was erwartet wird. Mit dem "aufblättern" gelangt man zu den Kerndaten.